Emil Schumacher-Museum

|  Planungen  |  Ansichten  |


Neubau Emil Schumacher-Museum und Um- bzw. Erweiterungsbau des Karl Ernst Osthaus-Museum der Stadt Hagen

Wortlaut der Vorlage für den Rat der Stadt Hagen. Einstimmig so beschlossen am 3. Mai 2001

 

1. Bisheriger Entscheidungsprozess

Am 28.08.1997 zum 85. Geburtstag Emil Schumachers fasste der Rat der Stadt Hagen den Beschluss, Emil Schumacher "in Hagen auf Dauer eine repräsentative Darstellung seines Lebenswerkes zu verschaffen". Emil Schumacher erklärte seinerseits dazu, dass er zu diesem Zweck eine Familienstiftung schaffen und diese mit einem umfangreichen Konvolut von Werken aus seiner Hand sowie anderen Vermögenswerten ausstatten wolle. In seiner Laudatio auf Emil Schumacher anlässlich der Ausstellungseröffnung "Emil Schumacher - Ein Künstler und seine Stadt" am 29.08.1997 erklärte der damalige Ministerpräsident Dr. Johannes Rau, das Land sei bereit, alles Notwendige zu tun, um dem Künstler eine wie im Ratsbeschluss definierte Darstellung seines Lebenswerkes zu ermöglichen. Etwa 6 Monate später entschied der KVR aus Anlass der Tatsache, dass Emil Schumacher zum Ehrenbürger des Ruhrgebietes gewählt worden war, 800.000,-- DM für einen "Emil Schumacher-Medienraum" zur Verfügung zu stellen. Auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sagte eine finanzielle Unterstützung im Rahmen seiner Richtlinien grundsätzlich zu. Die Unterstützung des Landes NRW wurde durch das Schreiben des Ministerpräsidenten Wolfgang Clement erneuert (Anlage 4).

Nach dem unerwartet plötzlichen Tod des Künstlers im Oktober 1999, bekräftigte der Rat der Stadt nochmals seinen Willen, eine dauerhafte Gesamtschau auf das Werk Emil Schumachers in einem qualitativ hochwertigen Museumsgebäude im Bereich des Karl Ernst Osthaus-Museums zu realisieren und beschloss im August 1999, einen einstufigen offenen Realisierungswettbewerb, der in 2 Bearbeitungsphasen durchgeführt werden sollte, auszuschreiben.

Zugleich bestand die Aufgabe darin, auch das städtebauliche Umfeld mit dem geplanten Neubau des Emil Schumacher Museums unter Einbeziehung des vorhandenen Karl-Ernst-Osthaus-Museums nachhaltig aufzuwerten.

Hierdurch sollte ein Impuls für die Stärkung und Weiterentwicklung der Innenstadt ausgelöst werden. Durch eine qualitätsvolle Architektur soll die Kulturfunktion und die Bedeutung der Stadt Hagen überregional nachhaltig gestärkt und an die kulturgeschichtliche Bedeutung des "Hagener Impuls" bzw. die Folkwang-Idee angeknüpft werden.

Die Kulturfunktion der Stadt kann für die Zukunft nur durch den Neubau der Theaterwerkstätten und durch die Realisierung der Museumskonzeption erhalten und weiter entwickelt werden

Anhand der Geschichte der Stadt Hagen kann nachvollzogen werden, welchen Bedeutungsverlust und regionale und internationale Strahlkraft eine Stadt verliert, wenn wichtige Kunstwerke von international bedeutenden Künstlern durch Erbauseinandersetzungen der Stadt nicht erhalten bleiben.

Für die Stadtentwicklung ist es deshalb unerlässlich, dass das international bedeutende Werk des Ehrenbürgers der Stadt Hagen Emil Schumacher in Hagen dauerhaft ausgestellt wird. Dieses Ziel zu ermöglichen, hat der Rat mehrfach beschlossen und zugleich mit Unterstützung des Landes einen internationalen Architekturwettbewerb ausgelobt.

Im Zusammenhang mit der Diskussion über die Verwendung der Mittel aus dem aufgegebenen Kanalvermögen ist mit der Kommunalaufsicht der Bezirksregierung vereinbart worden, dass ein Teil des Geldes aus dem aufgegebenen Vermögen zur Bildung von neuem Vermögen, d. h. zu Investitionen der stadtentwicklungspolitisch wichtigen Projekte verwendet werden kann.

Durch Beschluss des Rates ist nach dieser Vereinbarung ein Betrag von 18 Millionen DM in die Rücklage eingestellt worden, um neben den bereits im Haushalt veranschlagten wichtigen Investitionsprojekten den Eigenanteil des Schumacher-Museums aus dieser Rücklage zu finanzieren.

 

 

 

Nachdem deutlich und dies auch vom Rat bestätigt wurde, dass die Finanzierung der Mehrzweckhalle nur außerhalb des Haushalts erfolgen kann, sind, ausgehend von dieser Vereinbarung, auf Grundlage des Wettbewerbsentwurfes die weiteren Planungen mit dem Ziel entwickelt worden, einerseits die Eigenmittelbelastung der Stadt möglichst gering zu halten, andererseits aber die städtebauliche und Architekturkonzeption des prämierten Entwurfes mit seinen wesentlichen Funktions- und Gestaltungsvorgaben realisieren zu können. Dies war eine nicht ganz leichte Aufgabe, wie sich im Rahmen des weiteren Planungsprozesses herausgestellt hat.

 

2. Entwicklung Planungskonzept

Der Entwurf der Architekten Lindemann & Partner, der von der Jury aus 334 europaweit eingegangenen Entwürfen ausgewählt wurde, stellt aus zwei Gründen eine typologische Weiterentwicklung im Museumsbau dar; und zwar zum einen durch das für Museumsbauten völlig neue Architekturkonzept und zum anderen durch das aus diesem Architekturkonzept abgeleitete Klimakonzept.

 

2.1 Architekturkonzept

Bedingt durch seine wegweisende Architektur besitzt der geplante Neubau mit den Verbindungselementen zum Karl Ernst Osthaus-Museum besondere Strahlkraft und ist somit Teil der Kunst- und Kulturinitiative des Landes NRW.

Durch die Architekturkonzeption werden die funktionalen Anforderungen eines Museumsbaus und die städtebaulich architektonischen Funktionen in idealer Weise miteinander verknüpft, und zwar, indem sie räumlich verschiedenen Zonen zugeordnet werden.

Wenn es ein typisches architektonisches Merkmal für Museumsbauten gibt, dann ist es die Tageslichtdecke: Sie ist immer der Versuch, Kunstwerke und hier in erster Linie Malerei unter idealen natürlichen Beleuchtungsbedingungen, dem Tageslicht, ohne dessen störende und schädliche Rahmenbedingungen (Schattenbildung, UV-Strahlung, hohe Erwärmung) zu realisieren.

Die Städtebau- und Architekturfunktion wird durch Schaffung eines verglasten Zwischenraumes von der eigentlichen Museumsfunktion getrennt. Aufgrund der dadurch gegebenen Transparenz kann die Verbindung des Baukörpers mit dem Stadtraum in idealer Weise erreicht werden, ohne die Museumsfunktion einzuschränken.

Durch das "Haus-in-Haus-Prinzip" können im inneren Gebäudeteil die Museumsfunktionen optimal erfüllt werden und wird die übliche Problematik zwischen Architekturanspruch und Funktionsanspruch aufgelöst.

Ein typologisches Gegenstück zum Hagener Konzept des Emil-Schumacher-Museums kann man im Jüdischen Museum Berlin erkennen, welches als Exponat und Mahnmal entworfen wurde. Die Ausstellung der Exponate, d. h. die Museumsfunktion ist der Architekturfunktion untergeordnet. Dies kann auch daran abgelesen werden, dass das Museum ohne die Ausstellung von Exponaten seine Funktion erfüllt.

Die klare Funktionsteilung des Hagener Entwurfs wird durch das Nebengebäude zum Emil Schumacher-Museum fortgeführt und dadurch ein neuer Platzraum von besonderer Qualität in der Stadt geschaffen.

 

 

Typologisch neu ist konzeptionsbedingt auch die städtebauliche Funktion des Hagener Entwurfes in den Abendstunden, d. h. in Zeiten, in denen das Museum geschlossen ist. Durch eine besondere Beleuchtungskonzeption des Neubaus in Verbindung mit den unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden des Karl-Ernst-Osthaus-Museums und des Gebäudes Hochstraße 71 sowie durch eine zurückhaltende Platzbeleuchtung kann über eine entsprechende Lichtinszenierung die Bedeutung der Museumsfunktion in den Abendstunden besonders hervorgehoben werden.

Dies wird erreicht, indem sich der Neubau mit seiner kristallinen Struktur der Fassade in das Stadtgefüge einerseits einfügt, andererseits aber die Bedeutung dieses besonderen "Kulturortes" betont.

Mit dieser kristallinen Architektur stellt das Bauwerk einen historischen Bezug zu den Überlegungen von Taut her, die während des Hagener Impulses im Zusammenhang mit der baulichen Umsetzung der Folkwang-Idee in Hohenhagen diskutiert wurden.

 

2.2 Klimakonzept

Inwieweit diese Idee unter bauphysikalischen und klimatechnischen Gesichtspunkten eine optimale Voraussetzung für einen Museumsneubau ist, war bei der Entscheidung des Preisgerichtes noch offen und musste durch einen besonders strukturierten Planungsprozess nachgewiesen werden.

So wurde von der Preisgerichtsjury folgende Empfehlung ausgesprochen:

"Bei der Überarbeitung des Wettbewerbskonzeptes sind insbesondere zu beachten:

Die Überprüfung der Konstruktion und klimatechnischen Konzeption der Glashülle

und

die Kostenkalkulation im Hinblick auf Bau- und Betriebskosten".

 

Hieraus ergaben sich besondere Anforderungen an den Planungsprozess (siehe 2.3 der Erläuterung). Der Nachweis der Schlüssigkeit des Konzeptes erfolgte über eine thermische Simulation des Neubaus des Emil Schumacher-Museums. Üblicherweise muss über die Außenfassade der Temperaturausgleich, insbesondere die Luftfeuchtigkeitsschwankungen für das Museum ausgeglichen werden. Dies stellt in der Regel hohe Anforderungen an die Fassaden von Museumsbauten, die aus konservatorischen Gründen eigentlich ohne Fenster und Öffnungen gebaut werden müssten. Hieraus resultiert auch der Widerspruch von Architekturfunktion und Nutzungsfunktion der Museumsbauten der letzten Generation.

Die Temperaturdifferenzen zwischen Sommer- und Winterbetrieb werden deshalb in der Regel durch eine entsprechend massive Außenkonstruktion in Verbindung mit einer aufwendigen Klimatechnik aufgefangen, wobei sich bei einer solchen Konzeption häufig, je nach Ausrichtung und thermischer Belastung der Fassade, Heiz- und Kühlphasen für verschiedene Fassadenteile ergeben und sich diese überschneiden, was wegen des damit verbundenen Energiebedarfs besonders nachteilig ist.

Bei traditionellen Konstruktionen ergeben sich hierdurch zusätzliche Anforderungen an die Klimatechnik, was erhebliche Steuerungsprobleme für die Klimaanlage mit sich bringt. Dies führt zu einem erhöhten Energiebedarf beim Museumsbau und ist unter Berücksichtigung der zu erwartenden Energiepreisentwicklung ein nicht zu vernachlässigender Faktor bei den Betriebskosten.

 

 

 

 

2.2.1 Vorteil des Konzeptes

Durch das "Haus-in-Haus-Prinzip" wird die Funktion der Fassade aufgeteilt. Klimatechnisch besteht die Fassade aus einem massiven Betonkern und einer Zwischenzone.

Durch die Zone zwischen der Glasfassade und dem Kernhaus wird die thermische Belastung des eigentlichen Kerns reduziert, dessen thermische Speichermasse genutzt und durch ihre Konditionierung (Temperierung) mittels Heiz- und Kühlsystemen den hohen klimatischen Anforderungen aus der Museumsfunktion bei geringem Energieverbrauch angepaßt werden kann. Bei Museumsbauten resultiert der Energieverbrauch im wesentlichen aus dem Aufwand, die aus konservatorischen Gründen vorgeschriebene Einhaltung bestimmter Werte der Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten. Für den Innenraum ist eine Raumtemperatur von 20° +/- 2° C und eine Luftfeuchtigkeit von 55 % vorgegeben.

Für die Erschließungszone des Zwischenraumes können größere Temperaturdifferenzen zugelassen werden. Er wird ab mindestens 17° C beheizt und ab 24° C gekühlt.

Der Zwischenraum dient als Klima- und Wärmepuffer und führt dazu, dass sich aufgrund der klimatechnisch aufeinander abgestimmten Komponenten ein geringer Energieverbrauch ergibt und dass sich bei diesem Konzept Kühl- und Heizphasen nicht überschneiden.

Für den Winterbetrieb oder in der Übergangszeit kann die Wärmeerzeugung im abgeschlossenen Zwischenraum auf der Südwestseite als Sonnenenergie-Kollektor genutzt werden. In den Sommermonaten kann die entstehende Wärme ohne Probleme über eine entsprechende Lüftung abgeführt werden.

Konzeptionsbedingt schwankt der Temperaturverlauf im Zwischenraum der Haupterschließungstreppe stark in Abhängigkeit zur Außentemperatur. Um die vorgegebenen Temperaturdifferenzen im Hinblick auf die Behaglichkeit einzuhalten, ist eine zusätzliche Kühlung und eine Bauteiltemperierung der Glasfassade erforderlich. Ohne die zusätzliche Kühlung würden die Temperaturen ca. 30° C erreichen.

Diese Bauteiltemperierung der Glasfassade wird durch ein in den ugen angeordnetes Rohrleitungssystem erreicht, welches der Kühlung im Sommer und der Beheizung im Winter dient.

Durch diese Heizleitung wird niedrigtemperiertes Wasser strömen, welches mit Hilfe einer Wärmepumpe im Winter auf 28° C temperiert und im Sommer auf 12° C gekühlt wird. Diese Temperaturen reichen aus, um in Verbindung mit der Lüftung die erforderliche Kühl- und Heizleistung zu erreichen. Durch eine geothermische Anlage kann der Energiebedarf für die konditionierten Bauteile weiter reduziert werden.

Aus den Anforderungen des Museums wurde auch die Konzeption der Tageslichtdecke über dem 2. Obergeschoss entwickelt. So ist unter Einbeziehung sämtlicher Randbedingungen eine Tageslichtdecke konstruiert worden, die die, nicht zu letzt durch historische Vorbilder vorgegebenen Anforderungen erfüllt, indem sie verschiedene, dem aktuellen Stand der technischen Entwicklung entsprechende Systeme integriert.

Um die entstehenden Temperaturbelastungen durch die Sonneneinstrahlung und den Lichteinfall nach Maßgabe der konservatorischen Anforderungen zu minimieren, bietet sich an, eine Photovoltaik-Anlage auf der oberen Glasschicht zu installieren.

 

 

 

 

Der Abstand der Photovoltaikelemente soll so gewählt werden, dass die notwendige Reduzierung des Lichteinfalles erreicht wird und die Tageslichtbeleuchtung auch bei bedecktem Himmel sichergestellt ist. Zugleich wird hierdurch eine wirksame Reduzierung der solaren Wärmeeinstrahlung bei einem hohen Stromertrag erreicht.

Um den konservatorischen Ansprüchen genügen zu können, d.h. Spitzenwerte bei der Sonneneinstrahlung reduzieren und Lichteinfall außerhalb der Öffnungszeiten völlig unterbinden zu können, wird auf eine Verschattungsanlage nicht verzichtet werden können.

Aus klimatischen Gesichtspunkten wird, um den Wärmeeintrag der Beleuchtung zu reduzieren, die Beleuchtung in einer Zwischenklimazone zum eigentlichen Museumsraum angeordnet. Der überschüssige Wärmeeintrag kann so direkt abgeführt und muss nicht mit großem Aufwand über die Klimaanlage heruntergekühlt werden.

 

2.2.2 Energiekosten

Auch die in jüngster Zeit errichteten Museumsbauten erreichen trotz modernerer Klimatechnik aufgrund der höheren Anforderungen Verbrauchswerte, die bei ca. 30,-- DM pro qm liegen.

Durch die aufgrund des vorgegebenen Entwurfsprinzips aufeinander abgestimmten Funktionen der einzelnen Bauteile lassen sich äußerst günstige Energiekosten erreichen.

Ein Vergleich zu den Betriebskosten des Karl Ernst Osthaus-Museums macht deutlich, welche Einsparungen bei diesem Klimakonzept möglich sind. Die jetzigen Kosten des Karl Ernst Osthaus-Museums liegen bei ca. 33,-- DM pro qm Nutzfläche im Jahr, demgegenüber werden sie beim Neubau des Emil Schumacher-Museums unter 12,-- DM liegen, jeweils ermittelt auf Grundlage der heutigen Energiepreise.

Bei Einsatz von regenerativen Energiequellen würde sich nur noch ein Aufwand von ca. 2,70 DM pro qm einstellen. Das sind unter 10 % des heute üblichen Aufwandes für Energie.

Unter Berücksichtigung der weiter steigenden Energiekosten ist dieses Konzept nachweislich - gerade aufgrund der besonderen Anforderungen im Museumsbau - optimal und als typologische Weiterentwicklung zu sehen.

Durch das Klimakonzept kann der Energieaufwand um 2/3 gegenüber dem Karl Ernst Osthaus-Museum reduziert werden. Durch den Einsatz regenerativer Energien, die aufgrund der Funktionsanforderungen des Museums sehr gut genutzt werden können, ergibt sich unter Berücksichtigung des Einsatzes dieser neuen Technologien (Photovoltarik, Geothermie und die Anlage eines Erdwärmetauschers) ein Energieaufwand von unter 10 % des jetzigen Verbrauches im Karl Ernst Osthaus-Museums.

Im Rahmen der weiteren Planung ist zu untersuchen, welche weiteren Reduzierungen der Betriebskosten sich aufgrund der Optimierung der Klimatechnik auch für die Gebäude des Karl Ernst Osthaus-Museum ergeben können.

 

2.3 Planungsprozess

Aufgrund der Architekturkonzeption und des Klimakonzeptes, ergeben sich besondere Anforderungen an den Planungsprozess, zumal mit der konditionierten seilverspannten Glasfassade und der aus den verschiedenen Anforderungen entwickelten Dachkonstruktion in dieser Kombination Neuland im Museumsbau betreten wird.

Zwar sind die einzelnen Komponenten bei verschiedenen Bauvorhaben schon realisiert und ausgeführt worden, so dass Erfahrungen vorliegen. Der kombinierte Einsatz dieser verschiedenen Technologien ist jedoch noch nicht realisiert worden.

Hieraus ergeben sich besondere Anforderungen an den Planungsprozess. Dieser wurde ermöglicht, indem der Rat der Stadt die notwendigen Planungsmittel für die Beauftragung sämtlicher Fachingenieure bereits in der Anfangsphase der Planung zur Verfügung gestellt hat. Hierdurch konnten bereits in der Vorentwurfsphase die konzeptionellen Abhängigkeiten des Entwurfes mit den Fachingenieuren auf Grundlage die ersten Konzeptvorstellungen, Ideen und Erfahrungen diskutiert und erörtert werden. So konnte frühzeitig ein sich stimmiges Entwurfskonzept unter Berücksichtigung aller technischen Anforderungen erarbeitet werden.

Durch den Planungsprozess ist auch nachgewiesen worden, dass eine Kostenschätzung auf Grundlage des Wettbewerbsentwurfes hätte nicht verantwortet werden können.

Die jetzt vorliegende Konzeption wurde in einem intensiven Diskussionsprozess zwischen den Beteiligten einschließlich der Vertreter der Stiftung erarbeitet. Wesentlich für die Gestaltung des Verfahrens und die parallele Diskussion der Kosten war die Einbeziehung der Erfahrungen des Projektsteuerers.

Die Umsetzung des den Wettbewerb zu Grunde liegenden Raumprogrammes in optimaler Form, hätte einen Gesamtinvestitionsaufwand von ca. 75 Millionen DM erforderlich gemacht.

Aufgrund dieser Investitionssumme und des sich daraus ergebenden Eigenanteils für die Stadt, waren grundsätzliche Korrekturen erforderlich, um unter Beachtung der Kosten das Bauwerk überhaupt realisieren zu können.

 

2.3.1 Änderung der Planung

Die Schwierigkeiten in diesem Entscheidungsprozess bestanden darin, die wesentlichen Elemente des ausgezeichneten Wettbewerbentwurfes bei entscheidend reduzierten Kostenpunkten zu erhalten.

Dies wurde durch folgende Vorgaben erreicht:

Die Magazinräume des Museums waren ursprünglich im Kellergeschoss des Emil Schumacher-Museums untergebracht. Aufgrund der Anforderungen der Technik ergab sich ein Kellergeschoss mit einer Gesamthöhe von ca. 7,5 m, was zu erheblichen Kosten geführt hätte, da in das Grundwasser hätte eingegriffen werden müssen. Umfangreiche Wasserhaltungsmaßnahmen wären erforderlich geworden und ein aufwendiges Beweissicherungsverfahren für die nähere und weitere Nachbarschaft hätte erfolgen müssen.

Gleiches gilt auch für die zweigeschossige Tiefgarage, die zusätzlich wegen der benötigten Rampe und ihrer geringen Grundfläche zu nicht vertretbaren Baukosten pro Stellplatz geführt hätte.

Deshalb wurde der Architekt beauftragt, die Planung mit folgenden Maßgaben zu überarbeiten.

Das Kellergeschoss musste um ein Geschoss reduziert werden, um die Einbindung ins Grundwasser auszuschließen. Die Tiefgarage kann nur eingeschossig ausgeführt werden und die Sanierung der Fassade des Karl Ernst Osthaus-Museums sowie die Wiederherstellung des Turms auf dem Altbau wurden zurückgestellt.

Um den Funktionsanforderungen des Museums gerecht zu werden, führte dies dazu, dass der Mehrzweckraum in seiner Größe reduziert und in das Nebengebäude verlegt werden musste, um im Erdgeschoss des Emil Schumacher-Museums die Magazinflächen unterbringen zu können.

Die im Erdgeschoss des Emil Schumacher-Museums nachgewiesenen Nebenräume (Werkstatt, Sozialräume) mussten in den Anbau des Karl-Ernst-Osthaus-Museums verlegt werden, was zu einer Reduzierung der Ausstellungsflächen in diesem Museum führte.

Weiterhin wurden durch die Neuordnung der Andienung die aufwendige Erschließung im Kellergeschoss und teure Unterfangungsarbeiten eingespart.

Wichtiger Bestandteil des Gesamtkonzeptes ist auch die Nutzung des Gebäudes Hochstraße 71 für Zwecke des Museums. Ohne die Nutzung dieses Gebäudes kann das Gesamtkonzept nicht realisiert werden. Die Planung zur Modernisierung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes für Museumszwecke wurde ebenfalls unter Einbeziehung der Ergebnisse der ersten Kostenschätzung abgespeckt und reduziert, indem die Verteilung der verschiedenen Nutzungen optimiert wurde und die klimatechnischen Anforderungen auf das erforderliche Mindestmaß reduziert wurde.

Mit diesen durchgreifenden Veränderungen, ohne jedoch die Konzeption in ihrem Kern zu verändern, konnten ca. 20 Millionen DM an Baukosten eingespart werden. Hierdurch ist zugleich auch der Nachweis erbracht, dass nur in der Planungsphase mit Hilfe einer besonderen Prozesssteuerung Kosten eingespart werden können.

Die nach diesen Vorgaben veränderte Vorentwurfsplanung und die daraus entwickelte Kostenschätzung des Architekten wurde von Seiten des beauftragten Projektsteueres nach einer völlig anderen Methodik überprüft. Auch diese Kostenschätzung führte - unabhängig von der Ermittlung des Architekten - zu fast identischen Kosten, so dass die Realisierung des vorliegenden Vorentwurfes zu den angegebenen Kosten möglich ist.

Im Rahmen der weiteren Planung besteht die Möglichkeit, durch Veränderungen im Detail die Planung weiter zu optimieren und auch Wünsche der Nutzer zu realisieren. So muss z. B. die Frage von Öffnungen in Brandwänden aufgrund der Anforderungen aus dem Brandschutzkonzept im Detail untersucht werden.

 

3. Museumskonzeption

Aufgrund der Planungen ergibt sich aus museologischer Sicht in verschiedener Hinsicht ein überaus interessanter Museumskomplex:

So stellt das Ensemble der vier um den neu entstehenden Museumsplatz gruppierten Gebäude schon für sich genommen ein kleines Architekturmuseum dar, an dem sich

stilistische Entwicklungen der Architektur in Hagen - vom Klassizismus über Historismus und Jugendstil, Elemente der Nachkriegsarchitektur und die Architekturauffassungen der siebziger Jahre bis hin zu unserer Moderne,

typologische Gebäudeentwicklungen (vom Gerichtsgebäude über den repräsentativen (1902), multifunktionalen (1974) bis zum funktionalen Museumsbau und

Tendenzen der Stadtentwicklung und des Städtebaus (von der autogerechten Stadt bis zur Rückgewinnung urbaner Stadträume durch Stadtreparatur) gut ablesen lassen.

Nimmt man zu diesem Ensemble die umliegenden Gebäude - Marienkirche, Pfarrhaus, Krankenhaus und die für die fünfziger Jahre typischen Wohn- und Geschäftsbauten hinzu, läßt sich im Museumsquartier die gesamte städtische Hagener Architekturgeschichte der letzten 150 Jahre auf engstem Raum erkennen.

Mit dem geplanten Neubauten, dem Emil Schumacher-Museum, dem Anbau an der Rückseite des Karl Ernst Osthaus-Museums und dem Solitärgebäude an der Prentzelstraße wird nicht nur

eine häßliche Baulücke geschlossen,

der aus städtebaulicher Sicht unglücklich gestaltete Bereich ('Parkpalette') zwischen Museum, Pfarrhaus und Kirche neu geordnet und

der Platz vor der Kirche entscheidend aufgewertet,

sondern ein neuer innerstädtischer Platz gewonnen, der zugleich ein angemessenes Entree zu den Museumsbauten bietet. Dadurch, daß er Eingangsbereich zu beiden Museen in der Sichtachse der Marienstraße liegt, läßt er sich schon der Innenstadt aus wahrnehmen, und wird eine wirkungsvolle Verbindung zwischen Stadt und Museen geschaffen.

Die Gebäude selbst lassen ihre Funktionen klar erkennen und treten in architektonisch wirkungsvollem Gegensatz auf: Emil Schumacher-Museum und Karl Ernst Osthaus-Museum sind durch ein gemeinsames Foyer zugleich klar von einander getrennt wie miteinander verbunden. Ein weiteres verbindendes Element, durch aber zugleich auch die architektonischen Unterschiede betont werden, ergibt sich aus dem Umstand, daß die Glasfassade des Neubaus in der Fassadengestaltung des bestehenden Anbaus aufgenommen wird. Demgegenüber stehen einerseits das ehemalige Gerichtsgebäude und andererseits der den Platz abschließende Solitärbau als höchst unterschiedliche selbständige Architekturen, die sich von den Ausstellungsgebäuden deutlich absetzen.

Das Emil Schumacher-Museum wird mit ca. 1.200 qm Ausstellungsfläche auf zwei Etagen optimale Präsentationsmöglichkeiten für das Werk des Künstlers bieten: Der stützenfreie, etwa sechs Meter hohe Oberlichtsaal im 2. OG. ist für Schumachers Gemälde vorgesehen; im 1. OG. bietet ein ausschließlich mit Kunstlicht beleuchteter Saal ideale Bedingungen für die Präsentation des graphischen und keramischen Werks. Weil die Erschließung dieser Räume durch das außen liegende Treppenhaus erfolgt, sind in beiden Sälen die Idealvorstellung eines 'White Cube' ('Weißer Würfel'), also eines völlig neutralen, ganz der Präsentation von Kunstwerken gewidmeten Raumes realisiert.

Das Karl Ernst Osthaus-Museum gewinnt durch die geplanten Um- und Anbauten insgesamt ca. 380 qm an Ausstellungsflächen in unterschiedlichen Qualitäten hinzu. Entsprechend umgestaltet werden die jetzt von der Museumsverwaltung genutzten Räume im Anbau, die zugleich als Verkehrsflächen dienen; mit dem Saal an der Rückfront des Hauses ergibt ein sich Raum, in dem ein Teil der Gemälde-Sammlungen des Karl Ernst Osthaus-Museums gut präsentiert werden kann. Da sich dieser Saal auf einer Ebene mit den Wechselausstellungsräumen befindet, könnte er gegebenenfalls auch im Zusammenhang mit größeren Sonderausstellungen genutzt werden.

Die Service-Einrichtungen für die Besucher und die Erschließung des Karl Ernst Osthaus-Museums werden durch die geplanten Baumaßnahmen entscheidend verbessert bzw. überhaupt erstmals angeboten:

Vom Foyer aus erreicht man die Ausstellungsräume des ESM entweder über die große Freitreppe an der Platzseite des Gebäudes oder mit dem Aufzug. Das Karl Ernst Osthaus-Museum wird durch einen Umbau der bestehenden Treppenanlage und durch einen Personenaufzug wesentlich besser erschlossen. Garderoben- und Toilettenanlage entstehen durch Umbauten im Karl Ernst Osthaus-Museums neu. Die Kasse ist so plaziert, daß kein zusätzliches Personal notwendig wird. Im Solitärgebäude ist im EG ein Restaurant vorgesehen, dessen Einrichtung künstlerisch gestaltet werden soll. Im 2. OG. befindet sich der Emil Schumacher Mediensaal, der mit ca. 70 Sitzplätzen und entsprechenden technischen Einrichtungen optimal für Vortragsveranstaltungen und Tagungen geeignet ist und - in Verbindung mit dem Restaurant - auch unabhängig vom Museumsbetrieb genutzt werden kann.

Für größere Veranstaltungen (z. B. Ausstellungseröffnungen) steht das Foyer zur Verfügung; Konzerte und sonstige Veranstaltungen können - wie bisher - in der großen Halle des Karl Ernst Osthaus-Museums veranstaltet werden.

Die technischen Einrichtungen für die Museen sind in beiden Gebäudeteilen untergebracht und werden gemeinsam genutzt: Im Neubau Emil Schumacher-Museum befinden sich im EG ein großes Bildermagazin, das Graphikmagazin (Emil Schumacher-Sammlungen) sowie ein Magazin für Wechselausstellungen. Die Werkstätten und Sozialräume sind im EG des Anbaus an das Karl Ernst Osthaus-Museum untergebracht. Hier befindet sich auch ein Lastenaufzug, mit dem die Ausstellungsräume erreicht werden können.

Die Verwaltung des Emil Schumacher-Museums ist im 1. OG. des Solitärgebäudes untergebracht. Der gesamte wissenschaftlich-administrative Apparat des Karl Ernst Osthaus-Museums zieht in das Gebäude Hochstraße 71 um. Damit wird erstmals eine unter sachlichen und konservatorischen Gesichtspunkten angemessene Unterbringung und Bearbeitung der wertvollen graphischen Sammlungen und Archive sowie der umfangreichen Spezialbibliothek Museums möglich. Weiterhin sind in diesem Gebäude Präsentationsmöglichkeiten für die Graphischen Sammlungen des Karl Ernst Osthaus-Museums (Christian Rohlfs-Raum, ca. 90 qm) und der Ernst Meister-Gedächtnisraum (ca. 40 qm) vorgesehen. Das Gebäude wird damit voll in die Museumsfunktionen einbezogen. Im EG und 1. OG wird zusätzlich das Kulturamt untergebracht und verschiedene Räume gemeinsam mit dem Karl Ernst Osthaus-Museum nutzen. (siehe auch Beschluß des Rates vom 28.09.2000)

Auch unter inhaltlichen Gesichtspunkten wird der Museumskomplex ein breites Spektrum bieten:

Das Karl-Ernst-Osthaus-Museum ist ein Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, das sich - aufbauend auf der Museumsidee von Karl-Ernst-Osthaus und seinem Museum Folkwang (1902 - 1921) - mit internationaler Kunst unserer Zeit sowie angrenzenden Gebieten (Kunsthandwerk, Design, Architektur, Geschichte, Neue Medien etc.) beschäftigt und dabei im letzten Jahrzehnt ein ganz eigenständiges, international beachtetes Profil entwickeln konnte.

Das Karl-Ernst-Osthaus-Museum präsentiert seine vielfältigen Sammlungen in Form einer modernen Schatz- und Wunderkammer vor allem im fachgerecht rekonstruierten Gebäude des alten Museum Folkwang (Entwurf der Inneneinrichtung von Henry van de Velde aus dem Jahre 1902). In seinem Neubautrakt veranstaltet das Museum regelmäßig Ausstellungen; er ist darüber hinaus Ort eines vielfältigen Kulturprogramms, das von Vorträgen, Lesungen, Tagungen, bis hin zu Theater- und Musikdarbietungen reicht.

Das Emil-Schumacher-Museum soll ausschließlich dem Werk des international bekannten Künstlers, einem der wichtigsten Künstler des deutschen Informel, gewidmet sein und ihm optimale Präsentationsmöglichkeiten bieten. Das Emil-Schumacher-Museum wird im Gegensatz zum Karl-Ernst-Osthaus-Museum in erster Linie ein Bilder-Museum sein und den exemplarischen Nachvollzug des Werks und der Biographie des Künstlers ermöglichen.

Durch den Aufbau des neuen Sammlungsschwerpunkts "internationale nichtgegenständliche Malerei" kann das Karl-Ernst-Osthaus-Museum auch inhaltlich eine Brücke zum Werk von Emil- Schumacher schlagen, so dass sich - beide Museen zusammengesehen - ein sehr vielfältiger, differenzierter und entwicklungsfähiger Sammlungskomplex mit klaren Profilen und ganz unterschiedlichen Präsentationsformen ergibt, der lokale und internationale Aspekt der jüngeren Kunstgeschichte auf einzigartige Weise miteinander verbinden und große Anziehungskraft auf unterschiedliche Besuchergruppen ausüben wird.

 

 

 

4. Eckpunkte des Vertrages zwischen der Emil Schumacher-Stiftung und der Stadt Hagen

Die notwendigen Eckpunkte, die im Rahmen eines Vertrages zwischen der Emil Schumacher-Stiftung und der Stadt Hagen geregelt werden müssen, sind einvernehmlich abgestimmt worden. Die Einzelheiten und genauen Formulierungen dieses Vertrages sind teilweise auch unter Beachtung der Förderkriterien zu formulieren und abzustimmen (z. B. wegen der Förderregeln des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe).

Die Stadt Hagen stellt der Emil Schumacher-Stiftung zur Erfüllung des Stiftungszwecks die als Emil Schumacher-Museum definierten Ausstellungsräume im Neubauteil zur alleinigen und weitere Räume (Magazine etc.) zur gemeinsamen Nutzung mit dem Karl Ernst Osthaus-Museum auf Dauer zur Verfügung.

Die Emil Schumacher-Stiftung bringt ihren Bestand an Werken von Emil Schumacher in die Stiftung ein und wird ihn auf Dauer in den dafür vorgesehenen Räumlichkeiten präsentieren.

Die Stadt stellt der Emil Schumacher-Stiftung ihren Besitz an Werken von Emil Schumacher auf Dauer zur Verfügung. Die Stiftung übernimmt deren konservatorische und wissenschaftliche Betreuung und wird sie in angemessenem Umfang im Rahmen der Dauerausstellung präsentieren.

Die Mitwirkung der Emil Schumacher-Stiftung bei der Planung und dem Bau des Emil Schumacher-Museums wird gewährleistet.

Der gesamte Gebäudekomplex wird vom Karl Ernst Osthaus-Museum auf Kosten der Stadt Hagen betrieben und verwaltet.

Die Stadt Hagen stellt das zusätzlich erforderliche Aufsichts- und Reinigungspersonal.

Die Stadt Hagen schafft eine neue Stelle "Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Emil Schumacher-Museum (50%).

Die Stiftungssatzung wurde zwischen der Stadt und der Stiftung einvernehmlich abgestimmt. Der Einfluß der Stadt Hagen auf die Entwicklung der Stiftung wird durch eine entsprechende Besetzung im Beirat der Stiftung auf Dauer gesichert.

 

5. Abschätzung der zusätzlichen Folgekosten

Um den gesamten Museumskomplex mit der dargelegten inhaltlichen Konzeption betreiben zu können, ist - bezogen auf das zusätzliche Personal - von den dargestellten Folgekosten pro Jahr auszugehen. Sie wurden auf Grundlage der zur Zeit gültigen Tarife bzw. bekannter Faktoren abgeschätzt:

Personalkosten

3 zusätzliche Aufsichtskräfte á ca. 60.000 DM 180.000 DM

1 Gebäudemanager für den gesamten

Museumskomplex) 80.000 DM

½ wissenschaftlicher Mitarbeiter ESM 60.000 DM

Summe Personalkosten 320.000 DM

Die Personalkosten im Aufsichtsbereich sind Mindestkosten. Angenommen wurde die Bewachung der beiden Ausstellungsgeschosse, je 600 qm im Emil Schumacher Museum, durch jeweils eine Aufsichtskraft. Die dritte Kraft wird nun zur Kompensation der Differenz zwischen den Öffnungszeiten und den allgemeinen Arbeitszeitregelungen, sowie den Wochenenddiensten und Urlaubszeiten beschäftigt.

Der Gebäudemanager soll Hausmeisterfunktionen übernehmen und für den technischen Betrieb und für die Durchführung von Veranstaltungen in den Museen zuständig sein.

Eine wissenschaftliche Arbeitskraft (50 %) für die Emil Schumacher Stiftung ist erforderlich, um die wissenschaftliche Bearbeitung des Werkes von Emil Schumacher zu gewährleisten. Sie ist der Stiftung bzw. ihrem Vorstand zugeordnet.

 

Bewirtschaftungskosten des Gebäudekomplexes

 

Energiekosten

Wesentlicher Faktor werden besonders in Zukunft die Energiekosten des Gesamtkomplexes sein, wobei zukünftig mit erheblichen Steigerungsraten, gerade in diesem Kostensegment, zu rechnen sein wird.

Unter Berücksichtigung der optimalen Klimakonzeption für den Neubau des Emil Schumacher Museums und unter Berücksichtigung der gesamten Erneuerung der Klimatechnik für beide Museen ergibt sich ein Gesamtenergiekostenbedarf von ca. DM pro Jahr (einschließlich Hochstraße 71).

Die heutigen Energiekosten für den Gebäudekomplex Hochstraße 71 und Karl-Ernst-Osthaus-Museum betragen insgesamt 150.000 DM.

 

Reinigungskosten

Die Reinigungskosten - bezogen auf die jetzt vorhandenen Flächen in der Hochstraße 71 und im Karl-Ernst-Osthaus-Museum - belaufen sich auf 180.000 DM. Unter Einbeziehung der neu hinzukommenden Flächen ergibt sich auf Grundlage der heutigen Kosten ein Gesamtbetrag von DM.

Den Einsparungen im Energiebereich stehen Mehrkosten für die Reinigung der Glasflächen gegenüber. Diese Kosten werden zur Zeit genau ermittelt. Hierfür ist eine Planung erforderlich, in dem die Reinigungsintervalle fixiert werden und die notwendigen technischen Voraussetzungen bei der Planung vorgegeben werden, damit möglichst kostengünstig die nicht unerheblichen Glasflächen gereinigt werden können.

 

Allgemeine Betriebskosten

Weiterhin ist auch von einer Erhöhung der allgemeinen Betriebskosten auszugehen. So wird sich zum Beispiel die Anzahl der Aufzüge in dem Gesamtkomplex von zwei auf fünf erhöhen. Ferner müssen zum Beispiel die notwendigen Sicherungseinrichtungen (Diebstahlsicherung, Brandmeldeanlagen etc.) gewartet und betrieben werden. Hier werden sich ebenfalls Kostenerhöhungen ergeben.

 

 

 

Nach einer ersten groben Abschätzung ergeben sich somit, unter Einbeziehung der zusätzlichen Personalkosten, zusätzliche Folgekosten pro Jahr von ca. DM.

In dieser Summe sind die Kosten für Bauunterhaltung und Ersatzbeschaffungen, sowie Grundsteuern und Grundbesitzabgaben nicht enthalten.

Nach Abschluß der weiteren Planung würde über die Bewirtschaftungskosten des gesamten Gebäudekomplexes informiert werden. Die Bewirtschaftungskosten sind Schätzungen der Fachingenieure bzw. sie basieren auf der durchgeführten thermischen Simulation des Neubaues des Emil Schumacher Museums.

 

6. Finanzierungs- und Förderkonzept

Als Ergebnis der mittlerweile mehrfach geführten Abstimmungsgespräche mit den verschiedenen Zuschussgebern ist festzustellen, das die Baumaßnahme nicht nur als wichtiges städtebauliches und Museumsprojekt der Stadt Hagen eingestuft wird, sondern als Teil der Kunst- und Kulturinitiative des Landes angesehen wird.

Die städtebauliche und architektonische Konzeption in Verbindung mit dem entwickelten Klimakonzept wurde von allen Beteiligten als typologische Weiterentwicklung im Museumsbau angesehen. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass in weiteren Gesprächen die Förderstruktur optimiert werden kann.

Insbesondere bei der Förderung der regenerativen Energien ergeben sich im Zusammenwirken mit den örtlichen Energieversorgungsunternehmen interessante Fördermöglichkeiten, die noch im Detail weiterentwickelt werden müssen.

So ist z. B. bemerkenswert, dass im Rahmen des Abstimmungsgesprächs durch das Städtebauministerium angeregt wurde zu versuchen, die Fassade auf der Seite des Kirchplatzes des Karl Ernst Osthaus-Museums und den Turm über dem ehemaligen Vortragssaal wieder herzustellen.

Somit müsste im weiteren Planungsprozess versucht werden, durch Optimierung des Förderkonzeptes und durch Beteiligung Dritter den notwendigen Eigenanteil für die Realisierung der beiden Maßnahmen zu schaffen, ohne den städtischen Eigenanteil zu erhöhen.

Bedingt durch die Förderstruktur und die Reduzierung der Baukosten konnte erreicht werden, dass - unter Beibehaltung der wesentlichen Kernelemente des Wettbewerbsentwurfes bis auf einen geringen Restbetrag - das Ziel, den Eigenanteil der Stadt auf 18 Millionen DM zu begrenzen, erreicht wurde. Dieser Restbetrag von 2,25 Mio. DM mußte durch Spenden durch die Beteiligung Dritter oder auf sonstiger Weise zur Verfügung gestellt werden.

Mit diesem Eigenanteil der Stadt wird eine Investitionssumme von 59,6 Millionen DM ausgelöst, einschließlich der Investitionen für die Engergiesparmaßnahmen. Dies ist mit erheblichen Wirkungen für die Sicherung der Arbeitsplätze durch die zu vergebenen Aufträge verbunden.

Die stadtwirtschaftlichen Auswirkungen und der damit verbundene Attraktivitätsgewinn der Innenstadt werden, auf Dauer gesehen, erheblich sein, weil sich aufgrund der Architekturkonzeption das gesamte Museumsquartier zum Publikumsmagneten entwickeln kann. Beispiele aus anderen Städten belegen, dass durch Investitionen im Kulturbereich das Image einer Stadt im positiven Sinne ins Gegenteil verkehrt werden kann und hierdurch erhebliche weitere Investitionen durch die Aufwertung des Standortes möglich sind.

 

 

 

 

Diese Wirkung einer solchen Investitionsmaßnahme ist nicht zu unterschätzen und dokumentiert zugleich den Strukturwandel in Nordrhein-Westfalen. Mit der Realisierung dieses Konzeptes wird die Stadt einen Großteil ihrer kunst- und kulturhistorischen Bedeutung zurück gewinnen, die sie zu Beginn dieses Jahrhunderts durch den Hagener Impuls besaß.

Das gesamte Finanzierungs- und Förderkonzept ist tabellarisch in der Übersicht dargestellt (Anlage 2), wobei zum Vergleich auch die Kostenschätzung des Wettbewerbs abgebildet ist.

 

Neubau Emil Schumacher-Museum, An- und Umbau Karl Ernst Osthaus-Museum

Die Baumaßnahmen werden von Seiten des Landes im Rahmen der Museumsbauförderung mit ca. 21 Millionen DM gefördert.

Der LWL hat das Projekt der Stadt Hagen mit großem Interesse zur Kenntnis genommen und erwägt wohlwollend eine Förderung im Sinne der Förderkriterien. Das weitere Vorgehen muss im fortschreitenden Planungsprozess in Abstimmung mit der Stadt Hagen geklärt werden“.

Das Nebengebäude des Emil Schumacher-Museums, welches aus städtebaulichen Gründen zwingend realisiert werden muss, da sonst die räumliche Fassung und die städtebauliche Aufwertung des Museumsquartiers nicht möglich ist, wird von der Stiftung finanziert.

Diesem Gebäude ist auch die zugesagte Förderung in Höhe von 800.000,-- DM des KVR zugeordnet, die der Stiftung zur Verfügung gestellt wird, so dass ca. 2,55 Millionen DM von der Stiftung finanziert werden müssen.Hierbei ist zu berücksichtigen, dass ein Teil der Baukosten über die Pachteinnahmen des Bistros refinanziert werden.

Diese Lösung wurde gewählt, da nach den Aussagen des Zuschussgebers ein Teil der Gebäude ohnehin nicht förderfähig wäre und durch diese private Förderung über die Stiftung der Eigenanteil der Stadt reduziert werden konnte.

Somit ergeben sich Gesamtkosten, die der Museumsförderung zugerechnet werden können, von 44,85 Millionen DM bei einem Eigenanteil von 15,5 Millionen DM für die Stadt. Die restlichen Eigenmittel der Stadt dienen der Aufwertung des städtebaulichen Umfeldes einschließlich der Modernisierung des Gebäudes Hochstraße 71 für die Museumsnutzung.

 

Aufwertung des städtebaulichen Umfeldes

Die Neugestaltung der Plätze und des Umfeldes sowie der Sonderelemente, die aus Denkmalschutzgesichtspunkten wieder hergestellt werden, erfolgt nach den Richtlinien der Städtebauförderung.

Ebenso wird die Modernisierung des Gebäudes Hochstraße 71 aus Mitteln der Städtebauförderung finanziert.

Die Wiederherstellung des Turmes und die Wiederherstellung der Fassade am Kirchplatz ist aus städtebaulichen und denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wünschenswert, ist jedoch aus Kostengesichtspunkten - wie schon vorher ausgeführt - aus der Finanzierung herausgenommen worden.

 

 

Klimakonzept regenerative Energien

Die Kosten für die zusätzlichen Aufwendungen, um regenerative Energien optimal zu nutzen, sind noch nicht bei der Finanzierung berücksichtigt worden, da hierzu weitere Untersuchungen angestellt werden müssen und die bereits begonnenen Gespräche mit den Zuschussgebern vertieft werden müssen. Generell ist aber festzustellen, dass ein großes Interesse beim Land besteht, das ergänzend zu den Vorüberlegungen der Stadt diese regenerativen Energien auch genutzt werden. Es ist in den Gesprächen vereinbart worden, dass unter Einbeziehung auch der örtlichen Versorgungsunternehmen und Dritter gemeinsam ein konkretes Förderkonzept entwickelt wird, welches zu keiner Erhöhung der Eigenmittel der Stadt führt, so dass davon auszugehen ist, dass im Rahmen der weiteren Planung die Finanzierung gesichert werden kann. Hier wird, wie bei der Gesamtmaßnahme, überprüft werden, ob der angenommene Investitionsaufwand reduziert werden kann, um Kosten zu sparen.

 

Tiefgarage

Im Zusammenhang mit der Planung, ist frühzeitig Kontakt mit dem Innenminister und der Polizeipräsidentin aufgenommen worden, um die Planungen im Grenzbereich der Grundstücke unter Einbeziehung des abgeschlossenen Vertrages abzustimmen.

So ist von Seiten der Polizei beabsichtigt, das Gebäude der Polizeiinspektion zu modernisieren und seine Funktionsfähigkeit durch die Anlage eines zusätzlichen Treppenhauses zu verbessern.

In dem Vertrag ist eindeutig geregelt, dass, wenn die Stadt Hagen eine Hoch- oder Tiefgarage auf dem belasteten Teilgrundstück errichtet, das Land Nordrhein-Westfalen einen Anspruch hat, die vorhandenen Stellplätze im Parkhaus kostenlos zu nutzen. Die Gestehungskosten der Tiefgarage sind, mit Ausnahme des Grundstücksanteils dieser Stellplätze, der Stadt Hagen zu erstatten.

Deshalb ist einerseits in die Kostenberechnung ein Baukostenzuschuss von 1 Million DM eingerechnet und andererseits eine Ablösesumme von 1 Million DM in die Finanzierung aufgenommen worden.

In welchem Umfang das Land unter Einbeziehung der Kosten von diesem Recht Gebrauch macht, muss noch im Detail abgestimmt werden.

Wenn sich der Baukostenzuschuss des Landes reduziert, reduzieren sich zugleich auch die Kosten für die Ablösung, weil die Stadt dann weniger Stellplätze ablösen muss.

Insgesamt werden in der Tiefgarage 38 Stellplätze nachgewiesen. Oberirdisch werden für Besucher und Behinderte 25 Stellplätze, also insgesamt 63 Stellplätze nachgewiesen.

Es ist beabsichtigt, die Nutzung der Stellplätze in der Tiefgarage für die Polizei und die betriebsinternen Funktionen des Museums vorzuhalten und die Besucherparkplätze oberirdisch anzuordnen.

Insgesamt wird der Stellplatzbedarf, der sich nach den bisherigen Berechnungen auf ca. 70 Stellplätze beläuft, nicht gänzlich nachgewiesen werden können. Bei größeren Veranstaltungen im Museum kann problemlos die in der Nähe liegenden Parkplätze in Anspruch genommen werden u. a. die Tiefgarage Springe.

 

 

Die zweigeschossige Tiefgarage wurde eingehend untersucht, um eine höhere Anzahl von Stellplätzen nachzuweisen. Wegen der erforderlichen Rampen können nur insgesamt 53 Stellplätze nachgewiesen werden, wobei 45 Stellplätze in der Tiefgarage untergebracht sind. Aufgrund der erforderlichen Rampen steht jedoch die Stellplatzzahl in keinem angemessenen Verhältnis zu den Baukosten. Weiterhin wird die zweigeschossige Tiefgarage unterhalb des Grundwasserhorizontes liegen, was die Baukosten erheblich verteuert. Deshalb wird eine eingeschossige Lösung zur Ausführung vorgeschlagen.

 

Finanzierung der Restmittel

Eine weitere Reduzierung der Baukosten war nicht möglich, da sonst die wesentlichen Kernpunkte des ausgewählten Wettbewerbsentwurfs nicht realisiert werden kann und die Architektur- und Klimakonzeption grundsätzlich verändert hätte werden müssen. Dies hätte dem Ergebnis des Wettbewerbs nicht entsprochen.

Aufgrund der Attraktivität des Konzeptes wird deshalb vorgeschlagen, den noch nicht finanzierten Betrag von ca. 2,25 Millionen DM durch Spenden, durch die weitere Beteiligung Dritter oder in sonstiger Weise nachzuweisen. Es ist durchaus realistisch, dass durch weitere Optimierung der Förderung und durch spezielle Konzepte, dieser Anteil sogar überschritten wird.

Im Rahmen der weiteren Planung ist auch genau zu ermitteln, welche Vorfinanzierungskosten sich möglicherweise ergeben könnten je nach Bereitstellung der verschiedenen öffentlichen Mittel.

Insbesondere bei der Museumsförderung ist zu erwarten, dass die Mittel des Landes erst im Jahre 2004 bereitgestellt werden können.

Hier sind ebenfalls unter Einbeziehung der Stiftung Überlegungen anzustellen, wie Vorfinanzierungskosten auf ein Mindestmaß reduziert werden können. Bedingt durch die Attraktivität des Gesamtkonzeptes zur Aufwertung dieses Quartiers und der hohen Identifikation der Öffentlichkeit mit diesem Konzept, kann sicher davon ausgegangen werden, dass das erarbeitete Finanzierungs- und Förderkonzept auch umgesetzt werden kann.