HAGENER SCHAUFENSTER-WETTBEWERBE 1999, 2000 UND 2001
Dokumente der ersten Hagener Schaufenster-Wettbewerbe waren Teil der Ausstellung "Das Schöne und der Alltag - Deutsches Museum für Kunst in Handel und Gewerbe" vom 09.09.1997 bis 12.04.1998 im Karl Ernst Osthaus-Museum der Stadt Hagen. Dort inspirierten sie den Stadt Marketing Hagen e.V. dazu, dem Museum eine Revitalisierung dieser Idee vorzuschlagen.
In den Jahren 1999 und 2000 fanden zwei Schaufenster-Wettbewerbe in der Hagener Innenstadt statt, bei denen jeweils über 100 außergewöhnlich gestaltete Schaufenster eine spannende 'Galerie der Straße' bildeten. Die Vielfalt der vertretenen Branchen und die unterschiedlichen Ansätze der Gestaltungen sorgten für stark erhöhte Kundenfrequenzen auch aus dem Umland. An verkaufslangen Samstagen konnten Umsatzzuwächse von teilweise über 50% verzeichnet werden. Die gelungene Verbindung von Kunst, Kultur und Konsum entfaltete eine Faszinationskraft, die sowohl bei Besuchern wie auch bei Geschäftsleuten für leuchtende Augen sorgte.
JURIERUNG
In der Fachjury bewerteten ein professioneller Schauwerbegestalter, eine Hagener Warenproduzentin und Vertreter der Hagener Hochschulen sowie der Industrie- und Handelskammer die Schaufenster in den Kategorien Gesamtkonzeption, Innovation und Gestaltung. Als zukunftsweisend wurde im Jahr 2000 besonders die erhöhte Beteiligung von Dienstleistungsunternehmen und die kooperative Gestaltung nebeneinander liegender Geschäfte wahrgenommen.
Im Rahmen der Publikumsjury wählten 1999 über viertausend Besucher "das Schaufenster, das ich am längsten angeschaut habe", "das Schaufenster, das mich am meisten überrascht hat" und "das Schaufenster, das mir am besten gefallen hat". Im folgenden Jahr wurden die Kategorien geändert, nun konnten sich die Besucher für "das überraschendste Schaufenster", "das farbschönste Schaufenster" und "das kinderansprechendste Schaufenster" entscheiden.
AUSGEZEICHNETE UNTERNEHMEN IM JAHR 1999
- Wolff 1782 Mode und Pelz Design, Elberfelder Str. 32, ausgezeichnet mit dem Goldenen Diplom des Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerbs 1999
- Søren men & women, Elberfelder Str. 59, ausgezeichnet mit dem Goldenen Diplom des Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerbs 1999
- Knospe Sanitätshaus, Elberfelder Str. 79, ausgezeichnet mit dem Silbernen Diplom des Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerbs 1999
- Betten Windmüller, Elberfelder Str. 77, ausgezeichnet mit dem Bronzenen Diplom des Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerbs 1999
- C&A Mode, Elberfelder Str. 38, erhielt beim Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerb 1999 eine "Besondere Auszeichnung" und wurde vom Publikum als Lieblingsschaufenster gewählt
- BiBA & pariscop Daub GmbH, Elberfelder Str. 16, erhielt beim Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerb 1999 eine "Besondere Auszeichnung"
- Wörishofener Kräuterhaus, Karl Marx Str. 10, erhielt beim Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerb 1999 eine "Besondere Auszeichnung"
- Galeria Kaufhof, Elberfelder Str. 23-25, erhielt beim Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerb 1999 eine "Besondere Auszeichnung"
- Josef Klein GmbH, Elberfelder Str. 35, erhielt beim Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerb 1999 eine "Besondere Auszeichnung"
- Fuß & Schuh Studio Achim Kreuzer, Hochstr. 72, erhielt beim Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerb 1999 eine "Besondere Auszeichnung"
- Vom Fass, Marienstr. 5-7, erhielt beim Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerb 1999 eine "Besondere Auszeichnung"
- Geers Hörakustik, Rathausstr. 4, erhielt beim Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerb 1999 eine "Besondere Auszeichnung"
- Kurt Heyer, Stresemannstr. 18, erhielt beim Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerb 1999 eine "Besondere Auszeichnung"
- et Zetera Barbara Olbrich Antiquitäten und Kunsthandel, Elberfelder Str. 57, erhielt beim Neuen Hagener Schaufenster-Wettbewerb 1999 eine "Besondere Auszeichnung"
AUSGEZEICHNETE UNTERNEHMEN IM JAHR 2000
Kategorie "Gesamtkonzeption"
Goldenes Diplom: Wolff 1782 Mode und Pelz Design, Elberfelder Str. 32
Silbernes Diplom: Die Neue Küche, Faehte + Hussmann OHG, Adolfstr. 5
Bronzenes Diplom: Antiquitäten am Theater, Konkordiastr. 14
Kategorie "Innovation":
Goldenes Diplom: hin & weg Reisebüro GmbH, Goldbergstr. 2
Silbernes Diplom: Bestattungshaus Karl Lösse KG, Böhmerstr. 13
Bronzenes Diplom: Weltladen im AllerWelthaus, Potthofstr. 22
Kategorie "Gestaltung":
Goldenes Diplom: BiBA Mode GmbH, Elberfelder Str. 16
Silbernes Diplom: Olbrich Tischkult GmbH, Elberfelder Str. 22
Bronzenes Diplom: henry fashion concept, Mittelstr. 15a
Drei Geschäfte wurden mit dem "Preis für kooperatives visuelles Marketing" ausgezeichnet:
AMBIENTE Schönes für Haus und Garten, Kampstr. 13
Brillen Backer GmbH, Kampstr. 13
Van Doornick for Women, Kampstr. 13
Wahl des Lieblingsschaufensters durch das Publikum:
Gewinner in der Kategorie "Überraschendstes Schaufenster":
Sinn Leffers AG, Mittelstr. 16-20
Gewinner in der Kategorie "Farbschönstes Schaufenster":
Wolff 1782 Mode und Pelz Design, Elberfelder Str. 32
Gewinner in der Kategorie "Kinderansprechendstes Schaufenster":
Spiel & Freizeit Otto Helmert, Elberfelder Str. 49
BEGLEITPROGRAMM
1999 wurden zwei qualifizierende Veranstaltungen angeboten, ein ganztägiges Fortbildungsseminar zu Thema "Verkaufsfördernde Schaufenster- und Warenpräsentation" und eine Abendveranstaltung mit dem Thema "Effektive und energiesparende Beleuchtung im Einzelhandelsgeschäft". Die amerikanische Künstlerin und Documenta X- Teilnehmerin Christine Hill stellte in einem Vortrag mit Performance- und Filmelementen ihre Projekte an der Schnitttstelle zwischen Kunst, urbanem Handel und sozialem Handeln vor. Das Animationsprogramm in der Innenstadt, in dessen Rahmen Comedy- und Street-Walking Acts mit extra auf das Medium Schaufenster zugeschnittenen Performances auf den Wettbewerb aufmerksam machten, wurde so gut aufgenommen, daß die Schauspieler und Akrobaten auch im Jahr 2000 wieder dabei waren.
Neue Schwerpunkte im Jahr 2000 waren eine Light-Show in der City und verschiedene Abendveranstaltungen in Zusammenarbeit mit Hagener Einzelhändlern. Die in Zusammenarbeit mit der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer präsentierte Kongressmesse zum Thema e-commerce zeigte, daß die unterschiedlichen Qualitäten des realen und des virtuellen Schaufensters gerade in ihrer Kombination zu effektiver Kundenansprache und -bindung führen.
INTERVIEWS MIT DEM PUBLIKUM
1999 wurden in der Hagener Innenstadt 402 Personen interviewt. Über 80% der Befragten war der Wettbewerb zum Zeitpunkt der Befragung schon aufgefallen, wobei die Rate bei den Hagenern höher ausfiel aus bei auswärtigen Besuchern. Anhand von Schulnoten haben die Befragten die Veranstaltung bewertet. 17% der Befragten gaben die Note 'Sehr Gut', 53% die Note 'Gut'. Zusammen waren somit 70% der befragten Citybesucher mit der Veranstaltung sehr zufrieden. Positiv wurde von den Passanten vor allem die 'Kreativität der Gestaltung', die grundsätzliche Idee des Wettbewerbs sowie die zusätzliche Aktivität in der City wahrgenommen. Die Kritik konzentrierte sich hauptsächlich darauf, daß sich noch mehr Geschäfte beteiligen sollten. Der Schaufenstergestaltung wurde insgesamt eine hohe Bedeutung zugesprochen. 46% der Befragten bestätigten, daß sie aufgrund der Schaufenstergestaltung öfter spontan und ungeplant ein Geschäft besuchen. Der Schaufensterwettbewerb wurde sehr positiv aufgenommen: Rund 82% der Befragten sprechen sich dafür aus, daß der Wettbewerb jedes Jahr stattfinden sollte. Im Jahr 2000 konnten diese Ergebnisse nochmals verbessert werden, z.B. sprachen sich diesmal über 90% der Befragten für eine jährliche Veranstaltung aus. Die Auffälligkeit der Veranstaltung war höher, und während 1999 nur 2,5% der Besucher als Grund für ihren Besuch der City explizit den Wettbewerb nannten, waren es nun schon 12,4%. Doch nicht nur die Besucher aus Hagen und dem Umland honorierten die Bemühungen des Einzelhandels und der Veranstalter, sondern auch im Bereich Stadtmarketing wurde die Hagener Initiative als vorbildlich erkannt, wie Anfragen aus über 70 Städten wie Berlin, Köln und München belegen. Die Berichterstattung in den Medien trug sehr zum Erfolg der Veranstaltungen bei, 2000 erschienen Bildberichte auch in über zehn nationalen und internationalen Zeitschriften.
Der Schaufenster-Wettbewerb 2001
Ein weiterer Schaufenster-Wettbewerb ist in Planung. Ein neuer Schwerpunkt wird in diesem Jahr auf die Kooperation mit den Ausbildungsstätten für Schauwerbegestaltung gelegt. Jeweils bis zu sieben Absolventen von Fach- und Berufsschulen werden nach Hagen geladen, um hier ihr Können unter Beweis stellen. Die Absolventen eines mit EU-Mitteln geförderten Pilotprojektes in Bozen/Südtirol haben sich Schaufenster von Apotheken und anderen Unternehmen in Hagen als Arbeitsfeld ausgesucht. Die Bundesfachschule für Werbegestaltung in Stuttgart möchte Gestaltungen zum Thema Euro in die Fenster der Hagener Banken bringen und so zur verstärkten Nutzung dieser Glasflächen beitragen. Schon im letzten Jahr haben sich auch solche Dienstleistungsunternehmen am Wettbewerb beteiligt, in deren Branchen das Schaufenster ein oft noch wenig genutztes Potential darstellt. Diese Ausweitung ist eine sehr positive Entwicklung und kann auch 2001 wieder mit interessanten neuen Ideen das Publikum faszinieren. Die Veranstalter hoffen auch in diesem Jahr auf eine rege Beteiligung Hagener Geschäfte.
Über den Konzeptions- und Organisationsaufwand hinaus hat das Karl Ernst Osthaus-Museum auch wiederum einen Beitrag in der ureigenen, musealen Disziplin zu bieten. Während 1999 die Ausstellung "Hagener Dekorationen seit 1910" Fotos und Drucksachen aus Museumsbeständen und Dokumente aus den Archiven Hagener Unternehmen zu einem chronologischen Überblick über 100 Jahre Schauwerbegestaltung in Hagen vereinigte, wurde im Jahr 2000 die Ausstellung im KEOM zum Schauplatz des Auspackens und Bearbeitens der in jenem Jahr angekauften Sammlung des Bundes Deutsches Schauwerbegestalter. Diese bildet nun einen wichtigen Bestandteil des Archivs des Museums für Visuelles Marketing.
2001 soll nun eine Ausstellung Plastiktüten und Tragetaschen zeigen. Die Plastiktüte ist ein Designobjekt, das über den praktische Nutzen hinaus auch immer Auskunft über das Selbstverständnis des Auftraggebers und seine Kultur gibt. Von den ersten handbeschriebenen Papiertütchen der mittelalterlichen Kraut- und Drogenhändler bis zum High-Tech-Unikat, welches als materialisierte Corporate Identity vor lauter Imagewirkung die Tragefunktion negiert, ist ein weiter Bogen gespannt, der nicht nur für die unzähligen Tüten-Sammler viele Reize bereithält. Die Tragetasche in all ihrer Alltäglichkeit ist nicht nur unter industriegeschichtlichen und wirtschaftshistorischen Gesichtspunkten von Interesse, denn auch Transformationen und Zitate im Werk zeitgenössischer Künstler beweisen ihre ästhetische Symbolkraft. Einen Einblick über die Vielschichtigkeit ihrer Erscheinungsformen bietet die Ausstellung im Karl Ernst Osthaus-Museum in der Zeit vom 19.10. bis 30.12.2001.
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